«Mach ich später»: Aufgaben mit Kindern klar absprechen
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«Mach ich später»: Aufgaben mit Kindern klar absprechenMit Freude aufräumen tut wohl kein Kind - trotzdem sollten Eltern frühzeitig Aufgaben im Haushalt verteilen. Gegen Verzögerungstaktiken oder Vergessen hilft nur, hart zu bleiben und an den Vereinbarungen festzuhalten.
Ob Müll rausbringen, Zimmer aufräumen oder Tisch decken: Die meisten Eltern fordern von ihrem Nachwuchs Mithilfe im Haushalt. Gut so, sagen Erziehungsexperten. Doch Kinder erledigen Aufgaben häufig nicht rechtzeitig. Aus einem «gleich» oder «später» wird schnell ein «Ups, vergessen». Um Stress und Streit zu vermeiden, helfen klare Absprachen. Es liegt in der Natur der Sache: Bekommt ein Mensch ständig Aufgaben zugewiesen, besonders wenn diese ihm widerstreben, geht er in die Opposition. Der Autor und Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch aus Neuss erklärt: «Kinder verweigern sich, wenn Eltern dauernd etwas anordnen und für sie Dinge regeln.» In der Dauerberieselung aus Befehlen, Bitten und Erinnern stellen Kinderohren irgendwann auf Durchzug. Die Folge: Die Eltern sind genervt, die Kinder frustriert. «Die Aufgabenverteilung im gemeinsamen Familienleben sollte positiv und lebensnah gestaltet werden», findet Wunsch. Das bedeutet jedoch nicht, den Kindern alle Aufgaben abzunehmen: «Wer immer alles hinterher räumt und abnimmt, lässt die Kinder keine eigenen Erfahrungen machen», sagt Klaus Fischer, Familientherapeut bei der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Schmallenberg im Sauerland. Doch um Verantwortung, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zu erlernen, bedarf es frühzeitiger Förderung. Wunsch hat dafür einen Trick: «Delegieren Sie keine Aufgaben, vereinbaren Sie Ziele!» Anstatt immer wieder an den vollen Mülleimer erinnern zu müssen, sollten Eltern sich lieber einmal mit dem Nachwuchs an den Tisch setzen und klären: Welche Aufgaben möchtest du übernehmen? Wie kannst du das umsetzen? «Lassen Sie das Kind eigene Strategien entwickeln, wie es Aufgaben erledigen kann», sagt Wunsch. Wichtig dabei: «Die Mithilfe im Haushalt sollte immer altersgerecht aufgebaut sein», sagt Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge aus Bargteheide. Kindergartenkinder finden es toll, den Tisch decken zu dürfen oder beim Kochen zu assistieren: «Die Mithilfe ist spielerisch und sollte von den Eltern begleitet werden», sagt Fischer. Ab dem Grundschulalter können die Kids bereits eigenständig kleine Arbeiten übernehmen, z.B. den Müll rausbringen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen. Statt die Mithilfe als «Muss» zu verkaufen, sollten Eltern laut Albert Wunsch lieber den Ehrgeiz wecken: «Vereinbaren Sie partnerschaftlich mit Ihrem Kind, was es leisten kann.» Zu diesem Eltern-Kind-Pakt gehören auch Konsequenzen, wenn die Aufgabe bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht erfüllt beziehungsweise vergessen wird. Während Fischer empfiehlt, dem Kind den übervollen Mülleimer auch mal sichtbar vor die Zimmertür zu stellen, glaubt Wunsch an die Vernunft und den Ehrgeiz beim Kind: «Wenn Sie im Vorfeld eine Konsequenz vereinbaren, die ihr Kind unbedingt vermeiden will, wird es den Müll so schnell nicht stehen lassen.» Jan-Uwe Rogge erklärt das kindliche «Aufschieberitis-Gen» wie folgt: «Kinder sind sehr lustbetont, vergessen Pflichten eben schnell. Dahinter steckt keine böse Absicht.» Statt gleich zu ermahnen und zu drohen, sollten Eltern deshalb lieber freundlich erinnern, dabei aber auch feste Grenzen setzen. Statt unklarer Fragen, à la «Bringst du heute noch den Müll raus?» sei es besser deutlich zu formulieren: «Bitte bring jetzt den Müll raus!» Verlängert der Nachwuchs dann ständig mit einem unkonkreten «gleich», helfe ein freundliches, aber bestimmtes: «Nein, JETZT!» «Zur Not wird dann eben auch mal der Stecker vom PC rausgezogen.» Familientherapeut Klaus Fischer findet, dass es nicht nur Konsequenzen, sondern auch Belohnungen geben sollte: «Kinder brauchen schließlich auch positives Feedback, wenn sie sich an die Regeln halten.» Für fünfmal Kinderzimmer aufräumen könnten Eltern zum Beispiel ein Eis ausgeben. Welche Art der Aufgabenverteilung Eltern auch wählen: «Es wird immer wieder Momente geben, in denen der Haussegen schief hängt», sagt Fischer. «Aufräumen und Ordnung ist in allen Familien eine Neverending-Story, bei der nur locker bleiben hilft.» Auch Albert Wunsch empfiehlt, nicht zu streng zu sein: «Überprüfen Sie auch mal die eigenen Erwartungen und fragen Sie sich, ob diese für das Leben Ihres Kind angemessen sind.» Literatur: Albert Wunsch: Die Verwöhnungsfalle. Für eine Erziehung zu mehr Eigenverantwortlichkeit. Kösel, 240 Seiten. Euro 15,95. ISBN 9783466305193. Jesper Juul: Nein aus Liebe. Klare Eltern - starke Kinder. Kösel, 128 Seiten. Euro 12,95. ISBN 9783466307760. Jan-Uwe Rogge: Eltern setzen Grenzen. Rororo, 320 Seiten. Euro 8,95. ISBN 9783499625985. Überforderung oder MachtkampfWenn Kinder oder Jugendliche Aufgaben nicht erledigen, sollten Eltern sich fragen, was dahinter stecken könnte. Ein Sechsjähriger kann nicht die gleichen Aufgaben übernehmen wie ein Zehnjähriger. Manchmal steckt aber auch Rebellion dahinter. Psychologen empfehlen in diesem Fall, hart zu bleiben. Denn wenn Eltern selbst aufräumen, um den Konflikt zu umgehen, schaukelt sich das Problem nur weiter hoch. dpa
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