Ein langer Weg: Die Doktorarbeit organisieren
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Ein langer Weg: Die Doktorarbeit organisierenEine Doktorarbeit ist ein dicker Schinken. Und sie klingt nicht selten furchtbar kompliziert. Das Schwierigste daran ist oft aber nicht einmal, sie zu schreiben. Denn soweit muss man erst einmal kommen. Und das verlangt viel Organisationsarbeit.
Gut 300 Seiten stark ist zum Beispiel die Doktorarbeit von Stephanie Marchal. Sie promoviert an der Uni Heidelberg über den Maler Gustave Courbet. Das letzte Wort ist noch nicht lange her. Das erste hat lange auf sich warten lassen. Das ist typisch: Die Phase vor dem ersten Wort könne durchaus ein halbes Jahr dauern, sagt die Psychotherapeutin Helga Knigge-Illner aus Berlin, die einen Promotionsratgeber geschrieben hat. Wer den Doktor machen will, muss erst einmal viel vorbereiten. Das ist auf dem Weg zur Dissertation häufig eine größere Hürde als gedacht. «Lebenskünstlerische Überbrückung» nennt Marchal die Gratwanderung zwischen der Finanzierung des Lebensunterhalts und der Ruhe zum Arbeiten an der Dissertation. Finanziell hat sie sich in den ersten beiden Jahren nach ihrer Anmeldung zur Promotion mit einem Volontariat in einer Kunsthalle über Wasser gehalten. Zum Promovieren blieb da wenig Zeit. «Oder eben nur mit Einschränkungen im Sozialen», erzählt Marchal. Anschließend bekam sie ein Stipendium und damit die Chance, sich drei Jahre ausschließlich um die Doktorarbeit zu kümmern. So konnte sie deutlich mehr Energie in die Arbeit stecken. Darin sieht auch Matthias Frenz von der Studienstiftung des deutschen Volkes in Bonn den großen Vorteil einer Promotion mit Stipendium: «Man ist frei von Arbeitszeit und inhaltlichen Vorgaben.» Solche Stipendien vergeben zum Beispiel staatliche oder politische Organisationen, aber auch Universitäten - etwa über ein Graduiertenkolleg. Es ist aber nicht einfach, die Förderung zu bekommen. Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes etwa gehören Noten, Studienzeit und außeruniversitäres Engagement zu den formalen Auswahlkriterien. Außerdem müssen bei der Anmeldung bereits Thema und Doktorvater feststehen. Im Schnitt kann das Begabtenförderwerk laut Frenz etwa ein Drittel der Bewerber annehmen. Das Stipendium ist aber nicht immer der Königsweg. «Stipendiaten sind zum Beispiel nicht sozialversichert und haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Mutterschutz», zählt Frenz die Nachteile auf. Das ist anders, wenn Doktoranden nebenher zum Beispiel eine halbe Stelle an der Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter haben. Damit Job und Dissertation sich miteinander vereinbaren lassen, ist aber ein gutes Zeitmanagement nötig. Als dritte Finanzierungsmöglichkeit nennt Knigge-Illner neben dem Stipendium und der Anstellung an einem Institut die freie Wirtschaft, also die Promotion neben dem Hauptberuf. Die Expertin findet diese Variante allerdings «problematisch». Feste Absprachen mit dem Arbeitgeber seien selten, häufig handele es sich dabei lediglich um eine Freistellung von der Arbeit, um das Gewähren von ein bisschen Zeit also. «Das ist aber selten und nicht leicht zu organisieren», so Knigge-Illner. Außerdem brauche man meist länger, wenn man neben dem Beruf promoviert. Durchschnittlich sollten Doktoranden mit einer Promotionszeit von drei bis fünf Jahren rechnen. Der erste Schritt ist die Themenfindung: «Ich muss mir Klarheit über die eigene Motivation verschaffen. Schließlich muss ich mich über ein paar Jahre mit dem Thema beschäftigen», sagt Knigge-Illner. Damit einher geht die Wahl des Doktorvaters, der einen betreut. Gerade die Betreuersuche ist oft unerwartet schwierig. «Darauf ist man wenig vorbereitet, wenn man aus dem Studium kommt. Man weiß nicht, worauf man achten muss», erinnert sich Marchal. Der Doktorvater muss nicht nur fachlich kompetent sein. Er sollte einem auch bei der finanziellen Förderung helfen - etwa, indem er einen durch Gutachten unterstützt. Kandidaten dürfen aber nicht unvorbereitet beim Professor ihrer Wahl auftauchen, warnt Knigge-Illner. Für den ersten Kontakt bietet sich die Sprechstunde an. Am besten bringt der angehende Doktorand gleich einen konkreten Themenvorschlag und ein ausgearbeitetes Exposé mit. Unterschiede gibt es dabei zwischen geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Promotionen. So gestaltet sich etwa die Themensuche in Fächern wie Biologie oder Medizin weniger schwierig, sagt Knigge-Illner. Hier geben die Professoren häufig Themen vor, um die sich ein angehender Doktorand bewerben kann. Oder sie bieten ihr Thema sogar dem passenden Studenten an. Literatur: Knigge-Illner/Helga: Der Weg zum Doktortitel, Campus Verlag, 204 S., 17,90 Euro, ISBN: 978-3593368115 Doktoranden brauchen viel DisziplinFinanzierung und Professorensuche sind für Stephanie Marchal die größten organisatorischen Hürden bei ihrer Promotion gewesen: «Der Weg dahin war recht steinig, aber wenn man das erst mal hat, läuft es.» Um soweit zu kommen, müssten Doktoranden die Zeit vor der Arbeit als Projektphase ernst nehmen, rät die Psychotherapeutin Helga Knigge-Illner. Sie sollten sich zeitliche Grenzen setzen und die nötigen Schritte diszipliniert überwachen. Daran hapert es in der Praxis oft, wie Marchal beobachtet hat: «Die meisten taumeln da irgendwie ein Jahr rum.» dpa
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